Bürgermeister und Stadtrat äußern Ihre Unterstützung anlässlich des 27. Jahrestages der Verfolgung von Falun Dafa in China

Rocco Wilken, Bürgermeister der Stadt Vlotho

Wie oft scrollen wir an einer Nachricht vorbei, die uns für einen kurzen Moment betroffen macht – und die wenige Sekunden später schon wieder vergessen ist?

Jeden Tag erreichen uns Bilder und Berichte von Konflikten, Unterdrückung und Unrecht aus aller Welt. Vieles erscheint weit weg. Vieles betrifft scheinbar andere Menschen. Doch genau darin liegt die Gefahr: Wir gewöhnen uns an die schrecklichen Dinge, an die wir uns niemals gewöhnen dürften.

Heute erinnern wir an Menschen, die über Jahrzehnte hinweg an ihrer Überzeugung festgehalten haben. Sie riskierten dafür ihre Freiheit, ihre Gesundheit und ihr Leben.

Vor 27 Jahren, am 20. Juli 1999, begann in China die systematische Verfolgung von Falun Gong – einer friedlichen Meditationspraxis, die auf den Werten Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht beruht. Millionen Menschen praktizierten Falun Gong damals, um innere Ruhe, persönliche Entwicklung und Orientierung im Leben zu finden. Doch das, was ihnen Halt gab, wurde für viele zum Grund ihrer Verfolgung. 

Menschenrechte sind nicht nur Zahlen. Zahlen können erschrecken, aber erst die Geschichten dahinter machen begreifbar, was Menschen erleiden.

Eine dieser Geschichten ist die von Meiling Zhao. Heute lebt sie in Dortmund und ist 64 Jahre alt. 64 Jahre sind für viele Menschen eine Zeit, in der sie sich auf Familie, Freunde und die Früchte ihres Lebenswerks freuen. Eine Zeit, in der man vielleicht die Enkel aufwachsen sieht, Reisen plant oder einfach die Freiheit genießt, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Für Meiling Zhao verlief ein großer Teil ihres Lebens anders. Wegen ihres Glaubens an Falun Gong wurde sie über einen Zeitraum von 16 Jahren verfolgt. Mehr als zehnmal wurde sie verhaftet und schwer misshandelt. Erst 2015 gelang ihr die Flucht nach Deutschland. 

Wenn wir auf ihr Leben blicken, dann sehen wir nicht nur eine Zahl. Wir sehen Jahre, die ihr genommen wurden. Jahre voller Angst, Ungewissheit und Leid. Und dennoch hat man ihr etwas Entscheidendes nicht nehmen können: ihre Würde und ihre Überzeugung.

Mich bewegt diese Geschichte nicht nur wegen des Leids, das sie erfahren hat. Mich bewegt vor allem die Frage: Wie stark muss ein Mensch sein, um unter solchen Bedingungen nicht aufzugeben?

Mindestens 5.350 Todesfälle durch Folter und Misshandlungen sind dokumentiert. Die tatsächliche Zahl liegt vermutlich bei 10.000 oder noch mehr Todesfällen. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, mit einer Familie, mit Hoffnungen und mit einer Zukunft, die ihm genommen wurde. 

Gerade in unserer Zeit ist das eine wichtige Mahnung. Denn Freiheit, Meinungsfreiheit und Menschenwürde geraten weltweit immer wieder unter Druck. Oft beginnt dies nicht mit großen Schlagzeilen. Es beginnt dort, wo Menschen eingeschüchtert werden, wo Andersdenkende ausgegrenzt werden oder wo Gleichgültigkeit stärker wird als Mitgefühl.

Als Bürgermeister von Vlotho bin ich überzeugt: Menschenwürde beginnt nicht in den großen Debatten der Weltpolitik. Sie beginnt im Alltag, in der Art, wie wir miteinander umgehen, wie wir einander zuhören und wie wir Menschen begegnen, die anders denken, glauben oder leben als wir selbst.

Der heutige Gedenktag erinnert uns daran, dass Freiheit und Respekt keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie leben davon, dass Menschen sie wertschätzen und verteidigen, jeden Tag aufs Neue.

Denn die größte Gefahr für Freiheit ist nicht der offene Angriff auf sie. Die größte Gefahr ist, dass wir aufhören, auf sie zu achten.

Nicole Wilms, Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Senioren und Gleichstellung im Rat der Stadt Mönchengladbach, Mitglied der SPD-Ratsfraktion

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum 27. Jahrestag der landesweiten Verfolgung von Falun Gong in China übermittle ich Ihnen gerne mein Grußwort – auch stellvertretend für die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Mönchengladbach.

Dass Sie sich seit vielen Jahren aus Mönchengladbach heraus mit so großer Beharrlichkeit und Ruhe für die Rechte der Falun Gong-Praktizierenden einsetzen – von stillen Mahnwachen bis zu einer erfolgreichen Petition im Deutschen Bundestag – verdient Respekt und Anerkennung. Ihr nachhaltiger, unaufgeregter Einsatz erinnert die Öffentlichkeit daran, dass Freiheitsrechte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern immer wieder neu verteidigt werden müssen.

Die Berichte über Verfolgung, Haft und Folter von Menschen allein aufgrund ihrer spirituellen Überzeugung sind erschütternd. Sie zeigen, wie wichtig es ist, dass Zivilgesellschaft und Politik hinschauen und ihre Stimme erheben, wenn Grundrechte im Staat mit Füßen getreten werden.

Ich wünsche Ihnen weiterhin Kraft und Zuversicht für Ihren Weg und danke Ihnen für Ihr beharrliches Wirken – gerade auch als Mönchengladbacherin, die dies aus der eigenen Stadt heraus zu schätzen weiß.